Zum Inhalt springen

Wie Zustimmung entsteht – Analyse eines Windenergie-Fragebogens

Forensische Gesamtanalyse

Fragebogen zur Akzeptanz der Windenergie an Land

Gegenstand und Ziel der Analyse

Die vorliegende Analyse untersucht den Fragebogen einer repräsentativen Umfrage zur Akzeptanz der Windenergie an Land in Deutschland in seiner vollständigen Struktur. Ziel ist es nicht, einzelne Fragen isoliert zu bewerten, sondern die Wirkungsweise des gesamten Fragekatalogs in seiner Abfolge offenzulegen. Der zugrunde liegenden Untersuchung liegt die Studie „Umfrage zur Akzeptanz der Windenergie an Land – Herbst 2025“ zugrunde. Herausgeber ist die Fachagentur Wind und Solar e.V. mit Sitz in Berlin. Die inhaltliche Konzeption, Ausarbeitung und redaktionelle Verantwortung liegen bei Frank Sondershaus. Verantwortlich im Sinne des Presserechts ist Dr. Antje Wagenknecht.

Die Datenerhebung wurde durch das Meinungsforschungsinstitut forsa – Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH durchgeführt. Grundlage bildet eine repräsentative Befragung von 1.005 Personen ab 18 Jahren aus einem bundesweiten Onlinepanel (forsa.omninet), erhoben im Zeitraum vom 24. September bis zum 6. Oktober 2025. Der veröffentlichte Stand der Studie ist Dezember 2025.

Die nachfolgende Untersuchung nimmt ausschließlich den in der Studie enthaltenen Fragebogen sowie dessen Struktur, Formulierung und Abfolge zum Gegenstand der Analyse. Eine Bewertung der Ergebnisse erfolgt im Lichte dieser methodischen und institutionellen Ausgangsbasis. Im Mittelpunkt steht die Frage, unter welchen Bedingungen die erhobenen Antworten entstehen. Dabei wird der Fragebogen nicht als neutrales Instrument der Meinungsabfrage verstanden, sondern als sprachlich, psychologisch und strukturell gestaltetes System, das den Denkraum der Befragten beeinflusst.

Die Analyse folgt einem forensischen Ansatz. Sie betrachtet:

          • die sprachliche Konstruktion der Fragen
          • die Abfolge und Verknüpfung der einzelnen Frageformen
          • die psychologischen Mechanismen der Antwortbildung
          • die statistischen Effekte der Auswertung

Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen Fragekonstruktion und Ergebnisstruktur sichtbar zu machen.

 

Die zugrundeliegende Studie nebst Fragenkatalog finden Sie unter folgendem Link:

https://www.fachagentur-wind-solar.de/fileadmin/Veroeffentlichungen/Wind/Akzeptanz/FA_Wind_Solar_Umfrage-zur-Akzeptanz-der-Windenergie-an-Land-Herbst-2025.pdf?utm_source=chatgpt.com

 

Gesamtbetrachtung – Konstruktion und Wirkung des Fragebogens

Die vorliegende Befragung erscheint auf den ersten Blick als klassisches Instrument der Meinungsforschung. Sie stellt Fragen, bietet Antwortmöglichkeiten und aggregiert Einschätzungen. Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass sie nicht lediglich Einstellungen erhebt, sondern den Raum, in dem diese entstehen, systematisch vorbereitet, strukturiert und stabilisiert.

Der Fragebogen ist damit nicht nur ein Messinstrument. Er ist ein steuerndes System der Urteilsbildung, das den Befragten nicht frei entscheiden lässt, sondern ihn schrittweise in eine bestimmte Form der Bewertung hineinführt.

 


 

Frage 1 – Fundament der Erhebung

Die erste Frage des Katalogs lautet:
„Im Rahmen der Energiewende in Deutschland wurde beschlossen, den Energiebedarf weitestgehend aus erneuerbaren Energien zu decken. Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach daher die Nutzung und der Ausbau der Windenergie an Land?“

Diese Frage ist nicht als bloßer Einstieg zu verstehen, sondern als bewusst gesetzter und strukturbestimmender Ausgangspunkt, der den Deutungsraum der gesamten Erhebung festlegt. Bereits in ihrer Konstruktion verbindet sie mehrere Ebenen, die gemeinsam die Form der späteren Antworten bestimmen. Zunächst wird ein energiepolitischer Zusammenhang eingeführt, der nicht zur Diskussion gestellt, sondern als bestehend vorausgesetzt wird. Der Ausbau erneuerbarer Energien erscheint dabei nicht als offene Option, sondern als beschlossene Zielrichtung. An diese Setzung schließt sich über die Formulierung „daher“ eine gedankliche Ableitung an, durch die die Nutzung und der Ausbau der Windenergie als folgerichtiger Bestandteil dieses Zusammenhangs eingeführt werden. Die Bewertung erfolgt damit nicht isoliert, sondern innerhalb eines zuvor gesetzten Rahmens.

Hinzu tritt die Wahl des Begriffs „wichtig“. Die Frage verlangt keine Entscheidung im Sinne eines „dafür oder dagegen“, sondern eine Einordnung auf einer Skala der Bedeutung. Der Befragte wird damit nicht aufgefordert, unterschiedliche Optionen gegeneinander abzuwägen, sondern die Rolle der Windenergie innerhalb eines bereits definierten Zusammenhangs zu bestimmen. Die Bewertung verschiebt sich damit vom Entscheidungsraum in den Bedeutungsraum.Von besonderer Bedeutung ist darüber hinaus die Verbindung der Begriffe „Nutzung“ und „Ausbau“. Während „Nutzung“ die Verwendung bestehender Anlagen im Sinne ihrer Zweckbestimmung beschreibt und begrifflich eine positive Zweck- und Nutzenkonnotation trägt, bleibt der Begriff „Ausbau“ in seinem Umfang unbestimmt und bezeichnet lediglich eine Erweiterung vorhandener Kapazitäten, ohne deren Ausmaß oder Begrenzung näher zu bestimmen. Durch die Verknüpfung beider Begriffe werden Bestand und Erweiterung gemeinsam zur Bewertung gestellt, ohne zwischen beiden Sachverhalten zu unterscheiden. In dieser Kombination entsteht eine sprachliche Struktur, in der die Erweiterung nicht isoliert, sondern im Kontext eines als nützlich verstandenen Zusammenhangs eingeordnet wird.

Die Wirkung dieser Fragestellung entfaltet sich nicht einheitlich, sondern in Abhängigkeit von den jeweiligen Ausgangslagen der Befragten. Während bei Personen mit bereits gefestigter Haltung eine tendenziell bestätigende Wirkung eintreten kann, fungiert die Frage für weniger vorgeprägte oder bislang unentschlossene Befragte als Orientierungsrahmen, innerhalb dessen die Bewertung erst gebildet wird. In beiden Fällen bleibt jedoch die Struktur identisch: Die Antwort entsteht innerhalb eines durch die Konstruktion der Frage vorgegebenen Zusammenhangs.Entscheidend ist dabei auch der Zeitpunkt der Bewertung. Die Frage verlangt eine Einordnung in einem Moment, in dem der Befragte seine eigene Ausgangslage noch nicht verortet hat. Individuelle Voraussetzungen, etwa im Hinblick auf persönliche Betroffenheit, Wohnumfeld oder eigene Auseinandersetzung mit dem Thema, werden nicht vorab erhoben, sondern erst im weiteren Verlauf des Fragebogens sichtbar gemacht. Die Bewertung erfolgt somit vor ihrer Einordnung. Darüber hinaus bleibt die Fragestellung auf der Ebene der Bewertung eines vorgegebenen Zustands und öffnet nicht den Raum für eine eigene Entscheidung, in der unterschiedliche Optionen gegeneinander abzuwägen wären. Der Befragte entwickelt seine Antwort selbst, folgt dabei jedoch einer durch die Fragestellung angelegten Herleitungsstruktur. Die Frage greift nicht unmittelbar in das Ergebnis ein, wohl aber in den Denkraum des Befragten, innerhalb dessen dieses Ergebnis entsteht.

Insgesamt ergibt sich daraus eine Fragelogik, die nicht nur den Ausgangspunkt der Bewertung setzt, sondern zugleich die Form der Einordnung bestimmt und zentrale Begriffe so kombiniert, dass sich die Antwort entlang eines vorgezeichneten Pfades entwickelt. Die erste Frage bestimmt damit nicht nur, worüber gesprochen wird, sondern auch, wie darüber gedacht und geurteilt werden kann. Die erste Frage ist damit nicht nur Ausgangspunkt der Befragung, sondern die strukturelle Grundlage, aus der sich alle weiteren Bewertungen entwickeln.

 

Frage 2 – Stabilisierung des gesetzten Rahmens

Die zweite Frage lautet:
„Stehen Sie dem Ausbau von Windenergieanlagen an Land grundsätzlich eher positiv oder eher negativ gegenüber?“

Auf den ersten Blick erscheint diese Frage ausgewogen, da sie eine symmetrische Gegenüberstellung von „positiv“ und „negativ“ enthält und damit den Eindruck einer offenen Bewertung vermittelt. In ihrer Funktion innerhalb des Fragekatalogs ist sie jedoch nicht als eigenständiger Neubeginn zu verstehen, sondern als Fortführung und Stabilisierung des durch die erste Frage gesetzten Deutungsraums. Während die erste Frage den Bewertungsrahmen etabliert und die Einordnung auf einer Skala der Bedeutung verlangt, verlagert die zweite Frage die Bewertung auf eine Zustimmungsdimension, ohne diesen Rahmen zu verlassen. Sie setzt damit nicht neu an, sondern greift die bereits angelegte Struktur auf und überführt sie in eine andere Form der Bewertung.

Zentral ist hierbei der Begriff „Ausbau“, der bereits in der ersten Frage eingeführt und dort mit „Nutzung“ verknüpft wurde. In dieser Verbindung hat der Begriff eine inhaltliche Vorprägung erfahren, die in der zweiten Frage nicht erneut geklärt, sondern vorausgesetzt wird. Der Ausbau erscheint somit nicht als offener oder zu definierender Gegenstand, sondern als bereits gesetzter Bezugspunkt, der nun einer grundsätzlichen Bewertung unterzogen wird. Von besonderer Bedeutung ist darüber hinaus die Verwendung des Begriffs „grundsätzlich“. Mit ihm wird die Bewertung von konkreten Umständen gelöst und auf eine abstrakte Ebene verlagert. Der Befragte wird nicht aufgefordert, einzelne Situationen oder Bedingungen zu berücksichtigen, sondern eine allgemeine Haltung zu formulieren. Damit tritt die konkrete Abwägung möglicher Einzelfälle in den Hintergrund.

Zugleich wirkt die Formulierung nicht nur sachlich, sondern auch kommunikativ. Die Frage adressiert den Befragten als jemanden, der über eine grundsätzliche Einschätzung verfügt, ohne diese zuvor zu erheben. Sie fragt nicht, ob eine solche Einschätzung vorhanden ist, sondern setzt sie in ihrer Form bereits voraus. Dadurch entsteht eine Gesprächssituation, in der der Befragte als urteilsfähiges Gegenüber angesprochen wird, dessen Meinung Gewicht hat. Genau an dieser Stelle liegt eine wesentliche Schwelle der Antwortbildung. Wer so angesprochen wird, wird nicht als unsicherer oder uninformierter Beobachter positioniert, sondern als jemand, der eine übergreifende Haltung einnehmen kann. Die Frage bietet damit eine Rolle an, die im sozialen Kontext anschlussfähig ist und eher angenommen als zurückgewiesen wird.

Der Zusatz „eher“ verstärkt diesen Effekt. Er ermöglicht eine abgestufte Einordnung und senkt die Schwelle zur Abgabe einer Antwort, ohne eine starke Festlegung zu verlangen. Der Befragte kann sich positionieren, ohne sich festlegen zu müssen. In der Kombination von „grundsätzlich“ und „eher“ entsteht so eine Form der Antwort, die sowohl abstrahiert als auch abgeschwächt ist: Sie löst sich von konkreten Bedingungen und erlaubt zugleich eine moderate, nicht endgültige Festlegung. An dieser Stelle tritt die Wirkung der Begriffe „positiv“ und „negativ“ hinzu. Es handelt sich hierbei nicht um fachliche, sondern um alltagssprachliche Kategorien, die unmittelbar verständlich sind und keine vertiefte Analyse erfordern. Der Befragte kann seine Antwort entlang vertrauter sprachlicher Muster bilden, ohne sich mit komplexen Sachverhalten auseinandersetzen zu müssen. Die Bewertung erfolgt damit nicht über eine differenzierte Abwägung, sondern über eine intuitive Einordnung. Zugleich tragen diese Begriffe eine soziale Dimension. „Positiv“ ist im allgemeinen Sprachgebrauch mit Zustimmung, Offenheit und Anschlussfähigkeit verbunden, während „negativ“ häufig mit Ablehnung, Skepsis oder Distanz assoziiert wird. Die Begriffe sind damit nicht nur beschreibend, sondern auch sozial codiert. Die Antwortmöglichkeiten verstärken diesen Effekt zusätzlich. Durch die Abstufung in „sehr positiv“, „eher positiv“, „eher negativ“ und „sehr negativ“ wird eine graduelle Einordnung verlangt, die formal beide Richtungen zulässt, jedoch weiterhin auf eine Bewertung innerhalb des bestehenden Zusammenhangs ausgerichtet bleibt. Eine grundsätzliche Infragestellung des Ausgangspunktes bleibt auch hier außerhalb des abgefragten Spektrums.

In der Zusammenschau erfüllt die zweite Frage damit eine klare Funktion: Sie stabilisiert den zuvor gesetzten Denkraum, indem sie die bereits angelegte Bewertung nicht verändert, sondern in eine allgemeine Haltung überführt. Die Fragelogik bleibt dabei konsistent. Der Befragte entwickelt seine Antwort weiterhin selbst, bewegt sich jedoch innerhalb eines Rahmens, der bereits durch die erste Frage bestimmt wurde. Die zweite Frage trägt damit nicht zur Öffnung des Deutungsraums bei, sondern zu dessen Festigung. Sie bestätigt die Struktur, innerhalb derer die Bewertung erfolgt, und führt sie in eine Form über, die weniger auf Bedeutung als auf grundsätzliche Zustimmung abzielt, ohne den zugrunde liegenden Zusammenhang zu verlassen.

Kurz gesagt: Die Frage macht es dem Befragten leicht, sich als informierter, maßvoller und grundsätzlich zustimmungsfähiger Gesprächspartner darzustellen.

 

Frage 3 – Erdung und erste Aufspaltung

Die dritte Frage lautet:
„Gibt es in Ihrem direkten Wohnumfeld bereits Windenergieanlagen oder ist das nicht der Fall?“

Mit dieser Frage tritt erstmals eine Verschiebung ein. Während die ersten beiden Fragen den Befragten auf einer abstrakten Ebene halten, wird er nun in sein konkretes Lebensumfeld zurückgeführt. Die Frage erdet ihn. Unmittelbar vor dieser Rückführung in das eigene Umfeld steht jedoch der zuvor aufgebaute Zusammenhang. Der Befragte hat bis zu diesem Punkt bereits eine Bewertung innerhalb eines gesetzten Rahmens vorgenommen. Die Einordnung der Wichtigkeit sowie die grundsätzliche Haltung zum Ausbau sind nicht voraussetzungslos erfolgt, sondern in einem Kontext, der die Bewertung in eine bestimmte Richtung lenkt.

Die Erdung in Frage 3 erfolgt somit nicht aus einem neutralen Ausgangspunkt heraus, sondern auf der Grundlage einer bereits geformten Einschätzung. Der Befragte erinnert und prüft sein Umfeld nicht unvoreingenommen, sondern im Lichte der zuvor entwickelten Haltung. Der Befragte wird nicht mehr aufgefordert, eine allgemeine Einschätzung abzugeben, sondern sein unmittelbares Umfeld zu betrachten. Dies löst einen inneren Suchprozess aus. Er erinnert sich, prüft, rekonstruiert. Hat er solche Anlagen gesehen? Wo stehen sie? Wie oft nimmt er sie wahr? Gerade bei Befragten, die nicht unmittelbar mit „ja“ antworten können, setzt dieser Prozess ein. Das eigene Umfeld wird innerlich durchgangen. Wege, Landschaften, Blickachsen treten ins Bewusstsein. In diesem Vorgang kann es durchaus dazu kommen, dass bereits wahrgenommene Anlagen wieder präsent werden – auch dann, wenn sie zuvor keine bewusste Rolle gespielt haben. Zugleich wirkt diese Rückführung auf das eigene Umfeld nicht nur kognitiv, sondern auch auf der Ebene des Empfindens. Der Befragte erlebt sich in diesem Moment als jemand, der sein persönliches Umfeld prüft und bewertet. Er fühlt sich angesprochen als verantwortliches Gegenüber, das seine eigene Lebenswirklichkeit einbezieht und damit ernst genommen wird.

Damit erfüllt die Frage eine doppelte Funktion. Sie differenziert zunächst formal zwischen Befragten mit und ohne unmittelbare Betroffenheit. Gleichzeitig führt sie jedoch alle Befragten – unabhängig von ihrer Antwort – in eine gedankliche Auseinandersetzung mit real existierenden Anlagen. Diese Bewegung ist entscheidend für den weiteren Verlauf. Die Frage bleibt nicht auf der Ebene der Feststellung stehen, sondern bereitet die nächste Frage vor. Sie erzeugt eine gedankliche Verankerung im Alltag des Befragten, die im Anschluss unmittelbar weiterverarbeitet werden kann. Der Befragte wird letztlich mit „ja“ oder „nein“ antworten. Der Weg dorthin ist jedoch nicht neutral. Er führt über Erinnerung, Wahrnehmung und persönliche Verortung – und schafft damit die Grundlage für die folgenden Fragen.

 

Frage 4 – Szenario, Verlagerung und Engführung

Die vierte Frage lautet:
„Wenn in Ihrem Wohnumfeld gemäß der aktuellen Genehmigungspraxis Windenergieanlagen gebaut werden sollten: Hätten Sie dagegen sehr große, große, weniger große oder gar keine Bedenken?“

Diese Frage beginnt mit „wenn“. Damit wird kein Zustand abgefragt, sondern ein Szenario eröffnet. Der Befragte wird aus der zuvor erfolgten Verortung unmittelbar in eine gedankliche Projektion geführt. Er bleibt nicht bei der Feststellung seines Umfeldes, sondern beginnt sich zu orientieren: Wo könnten solche Anlagen entstehen? Welche Flächen kommen in Betracht? Welche Auswirkungen wären sichtbar? Die zuvor erzeugte Erdung wird hier aktiv genutzt. Der Befragte arbeitet nicht mehr abstrakt, sondern innerhalb seines konkret erinnerten Lebensraums. Gleichzeitig enthält die Formulierung eine implizite Setzung. Mit dem Verweis auf die „aktuelle Genehmigungspraxis“ wird ein Bezugsrahmen eingeführt, der nicht erläutert wird. Dem Befragten wird damit unterstellt, dass er diese Praxis kennt oder zumindest einschätzen kann. Aspekte wie Höhe, Anzahl, Abstände, Lärmschutz, Schattenwurf, Infraschall, Eingriffe in das Landschaftsbild oder infrastrukturelle Maßnahmen bleiben unausgesprochen, wirken jedoch als mitgedachter Hintergrund.

Die genannten Aspekte sind in einer realen Befragungssituation, insbesondere bei einer telefonischen Abfrage, in dieser Komplexität kaum zu erfassen und noch weniger zu bewerten. Die Frage enthält diese Dimension zwar implizit, jedoch in maximal verkürzter Form. Gerade diese Verkürzung führt dazu, dass sie im Moment der Antwortbildung nicht vertieft durchdrungen, sondern faktisch übergangen wird. Der Befragte wird gedanklich nicht bei der Prüfung einzelner Auswirkungen gehalten, sondern durch die Formulierung „wenn gebaut werden sollte“ unmittelbar in ein Szenario geführt. Diese gedankliche Verschiebung bindet seine Aufmerksamkeit an die Vorstellung des Baugeschehens selbst, nicht an dessen differenzierte Folgen. In dieser Struktur liegt ein entscheidender Mechanismus: Die möglichen Auswirkungen eines Windparks werden nicht reflektiert, sondern als Bestandteil des Szenarios mitgeführt. Sie sind präsent, aber nicht ausgearbeitet. Damit entsteht eine Form stillschweigender Mitannahme, in der die Konsequenzen zwar enthalten, aber nicht bewusst abgewogen werden.

Der zweite Teil der Frage beginnt mit „hätten“. Damit wird die Bewertung in eine vorgelagerte Zukunft verlegt. Der Befragte soll eine Einschätzung zu einem Zustand abgeben, der noch nicht eingetreten ist, auf den er jedoch unmittelbar reagieren soll. Die Entscheidung erfolgt damit nicht aus Erfahrung, sondern aus einer vorgestellten Situation heraus. In dieser Konstruktion entsteht ein Moment der gedanklichen Vorwegnahme. Der Befragte wird nicht nur gefragt, sondern zugleich in ein mögliches zukünftiges Geschehen eingeführt. Es entsteht eine Form von implizitem Briefing: Dieser Fall könnte eintreten, und Sie sollen sich dazu positionieren. Die Antwortmöglichkeiten verengen diesen Raum weiter. Drei der vier Kategorien beziehen sich auf „Bedenken“ in unterschiedlicher Intensität – „sehr große“, „große“, „weniger große“ – während nur eine Kategorie „gar keine Bedenken“ vorsieht. Damit wird das Spektrum nicht neutral geöffnet, sondern entlang eines bereits gesetzten Begriffs strukturiert.

Die Formulierung „Hätten Sie dagegen sehr große, große, weniger große oder gar keine Bedenken?“ weist dabei eine eigene Struktur auf, die über eine reine Abstufung hinausgeht. Sie bietet keine offenen Alternativen, keine Relativierungen und keine Bezugspunkte, an denen einzelne Aspekte gewichtet oder ausgeschlossen werden könnten. Der Befragte erhält kein Instrument zur differenzierten Abwägung, sondern eine geschlossene Skala. In dieser Skala ist die Richtung bereits vorgegeben. Drei der vier Antwortmöglichkeiten bewegen sich innerhalb des Begriffs „Bedenken“ und variieren lediglich dessen Intensität. Selbst die Antwort „weniger große Bedenken“ bleibt innerhalb dieses Rahmens und stellt keine echte Abweichung dar, sondern eine abgeschwächte Form derselben Grundannahme.

Eine einfache Gegenüberstellung im Sinne eines „ja“ oder „nein“ wird damit nicht zugelassen. Stattdessen wird der Befragte in ein Antwortspektrum geführt, das ihn zwingt, sich innerhalb eines vorgegebenen Begriffsraums zu bewegen. Die Frage wirkt dadurch nicht klärend, sondern lenkend. Gerade hierin liegt die Besonderheit dieser Konstruktion. Die Skala wirkt wie eine Fangstruktur: Sie lässt Bewegung zu, aber nur innerhalb eines festgelegten Rahmens. Eine klare Abgrenzung oder ein Herauslösen aus diesem Rahmen ist nicht vorgesehen. Die Antwort „gar keine Bedenken“ nimmt in diesem Zusammenhang eine Sonderstellung ein. Sie steht nicht nur am Ende der Skala, sondern markiert den einzigen Punkt, an dem der Befragte den vorgegebenen Begriffsraum vollständig verlässt. Gleichzeitig setzt diese Antwort voraus, dass sämtliche zuvor implizit enthaltenen Aspekte ohne weitere Differenzierung akzeptiert werden.

Diese Antwort wirkt damit wie ein Schlusspunkt unter eine nicht geführte Abwägung. Sie setzt dort an, wo die gedankliche Durchdringung zuvor nicht stattgefunden hat, und schließt die Frage mit einer umfassenden Zustimmung ab. In dieser Lesart entsteht eine Konstellation, in der die Komplexität des Gegenstandes reduziert, die Vorstellung eines Szenarios aktiviert und die abschließende Bewertung auf eine vereinfachte Skala verdichtet wird.

 

Frage 5 – Suggestion, Skalierung und Selbstkonsistenz

Die fünfte Frage lautet:
„Sind Sie mit den Windenergieanlagen in Ihrem Wohnumfeld voll und ganz, eher, eher nicht oder überhaupt nicht einverstanden?“

Diese Frage ist formal eine Skalierungsfrage, wirkt jedoch in ihrer Einbettung als Suggestivfrage. Sie fragt nicht offen nach einer Haltung, sondern strukturiert diese bereits durch die gewählten Antwortmöglichkeiten. Entscheidend ist dabei die Stellung der Frage. Würde sie an erster Stelle (1.) gestellt, wäre die Antwortsituation eine völlig andere. Der Befragte würde dann zwischen „ja“ und „nein“ entscheiden, unmittelbar aus seiner Wahrnehmung heraus, ohne zuvor einen Bewertungsrahmen durchlaufen zu haben. Bei einem Nein wäre der Befragte als akzeptierender Adressat verloren. An dieser Stelle des Katalogs ist dieser Rahmen jedoch bereits gesetzt und stabilisiert worden. Die Frage greift damit nicht auf eine originäre Einschätzung zu, sondern auf eine bereits entwickelte Haltung. Der Befragte hat zuvor:

- eine Bedeutung zugeordnet (Skalierung – Frage 1)
- eine grundsätzliche Zustimmung formuliert (Suggestiv + Skalierung – Frage 2)
- sein Umfeld verortet (geschlossene Frage – Frage 3)
- ein Szenario durchlaufen (hypothetische Frage – Frage 4)

Diese Vorstruktur wirkt nun vollständig in die Antwort hinein. Die Frage selbst verlagert den Fokus auf bestehende Anlagen im Wohnumfeld. Diese sind für den Befragten Teil eines etablierten Zustands. Sie wurden im Alltag wahrgenommen, aber nicht notwendigerweise problematisiert. Gerade dadurch entsteht eine Ausgangslage, in der Ablehnung nicht aus einem akuten Impuls heraus erfolgt.

An dieser Stelle greift die Suggestivwirkung der Skala. Die Antwortmöglichkeiten sind nicht neutral, sondern bilden eine abgestufte Zustimmung bzw. Ablehnung ab, ohne eine klare Gegenposition zu privilegieren. Insbesondere „eher einverstanden“ wirkt als anschlussfähige Antwort, die keine Konfrontation erzeugt. In Verbindung mit der zuvor aufgebauten Struktur entsteht ein Mechanismus der Selbstkonsistenz. Der Befragte hält seine Antworten kohärent. Eine deutliche Ablehnung würde einen Bruch zur zuvor entwickelten Linie erzeugen. Damit verändert sich die Funktion der Frage. Sie erhebt nicht nur die Akzeptanz, sondern stabilisiert sie zugleich. Die Antwort ist weniger Ergebnis einer neuen Prüfung als Fortsetzung eines bereits angelegten Pfades. In dieser Konstellation wird selbst eine relative Zustimmung zu einer Bestätigung. Die Skala lässt Abstufungen zu, aber keinen echten Neubeginn der Bewertung.

 


Analyse der Fragen 1 bis 5 entlang der Frageformen

 

Frage 1 – Suggestive Skalierungsfrage als Fundament der Erhebung

Die erste Frage lautet:
„Im Rahmen der Energiewende in Deutschland wurde beschlossen, den Energiebedarf weitestgehend aus erneuerbaren Energien zu decken. Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach daher die Nutzung und der Ausbau der Windenergie an Land?“

Diese Frage ist nicht als bloßer Einstieg zu verstehen, sondern als bewusst gesetzter und strukturbestimmender Ausgangspunkt, der den Deutungsraum der gesamten Erhebung festlegt. Nach ihrer Form ist sie eine Skalierungsfrage, weil sie die Antwort auf einer Wichtigkeitsskala erhebt. In ihrer Wirkung enthält sie jedoch zugleich deutliche Elemente einer Suggestivfrage, weil sie den Bewertungsrahmen bereits vor der eigentlichen Antwort setzt. Zunächst wird ein energiepolitischer Zusammenhang eingeführt, der nicht zur Diskussion gestellt, sondern als bestehend vorausgesetzt wird. Der Ausbau erneuerbarer Energien erscheint nicht als offene Option, sondern als beschlossene Zielrichtung. An diese Setzung schließt sich über die Formulierung „daher“ eine gedankliche Ableitung an. Die Nutzung und der Ausbau der Windenergie werden damit nicht isoliert zur Bewertung gestellt, sondern als folgerichtiger Bestandteil eines bereits gesetzten Zusammenhangs eingeführt. Die Wahl des Begriffs „wichtig“ verlagert die Bewertung zusätzlich vom Entscheidungsraum in den Bedeutungsraum. Der Befragte wird nicht gefragt, ob er für oder gegen den Ausbau ist, sondern wie wichtig dieser innerhalb des gesetzten Rahmens sei. Damit wird keine offene Entscheidung verlangt, sondern eine Einordnung innerhalb einer bereits vorbereiteten Bedeutungsskala. Von besonderer Bedeutung ist darüber hinaus die Verbindung der Begriffe „Nutzung“ und „Ausbau“. Während „Nutzung“ die Verwendung bestehender Anlagen im Sinne ihrer Zweckbestimmung beschreibt und eine positive Zweck- und Nutzenkonnotation trägt, bleibt „Ausbau“ im Umfang unbestimmt. Bestand und Erweiterung werden gemeinsam zur Bewertung gestellt, ohne zwischen beiden Sachverhalten zu unterscheiden. Dadurch entsteht eine sprachliche Struktur, in der auch die Erweiterung im Kontext eines als nützlich verstandenen Zusammenhangs erscheint. Die Frage ist daher nicht nur eine Skalierungsfrage, sondern eine suggestiv angelegte Skalierungsfrage. Sie misst nicht bloß Wichtigkeit, sondern organisiert zuvor den Denkraum, in dem diese Wichtigkeit bewertet wird. Der Befragte entwickelt seine Antwort selbst, folgt dabei jedoch einer durch die Fragestellung angelegten Herleitungsstruktur.

Kern: Die erste Frage bestimmt nicht nur, worüber gesprochen wird, sondern auch, wie darüber gedacht und geurteilt werden kann.

 

Frage 2 – Skalierungsfrage mit suggestiver Rollenansprache

Die zweite Frage lautet:
„Stehen Sie dem Ausbau von Windenergieanlagen an Land grundsätzlich eher positiv oder eher negativ gegenüber?“

Formal handelt es sich um eine Skalierungsfrage, weil die Antwort entlang der Abstufungen „sehr positiv“, „eher positiv“, „eher negativ“ und „sehr negativ“ erfolgt. Zugleich wirkt die Frage in ihrer Einbettung als Suggestivfrage, weil sie den bereits in Frage 1 gesetzten Rahmen nicht neu eröffnet, sondern übernimmt und stabilisiert. Zentral ist erneut der Begriff „Ausbau“. Er wird aus Frage 1 übernommen, dort bereits mit „Nutzung“ verbunden und damit in einen nützlich konnotierten Zusammenhang gestellt. In Frage 2 wird dieser Begriff nicht neu geklärt, sondern vorausgesetzt. Der Ausbau erscheint somit als bereits gesetzter Bezugspunkt, zu dem nun eine grundsätzliche Haltung abgefragt wird. Der Begriff „grundsätzlich“ hebt die Bewertung auf eine abstrakte Ebene. Die Frage verlangt keine konkrete Prüfung einzelner Umstände, sondern eine allgemeine Haltung. Damit werden Einzelfallabwägungen in den Hintergrund gedrängt. Zugleich spricht die Formulierung den Befragten als jemanden an, der über eine übergreifende Einschätzung verfügt. Diese Einschätzung wird nicht erst erhoben, sondern durch die Form der Frage bereits unterstellt. Der Zusatz „eher“ senkt die Schwelle zur Antwort. Er ermöglicht eine moderate Einordnung, ohne eine harte Festlegung zu verlangen. Gerade dadurch entsteht eine Gesprächssituation, in der der Befragte sich als informierter, maßvoller und grundsätzlich zustimmungsfähiger Gesprächspartner darstellen kann. Auch die Begriffe „positiv“ und „negativ“ sind nicht rein fachliche Kategorien. Sie sind alltagssprachlich, unmittelbar verständlich und sozial codiert. „Positiv“ steht für Offenheit, Zustimmung und Anschlussfähigkeit; „negativ“ für Distanz, Ablehnung oder Skepsis. Die Frage arbeitet daher nicht nur mit einer Skala, sondern mit sozial verständlichen Rollenangeboten.

Kern: Frage 2 stabilisiert den in Frage 1 gesetzten Denkraum und überführt ihn in eine grundsätzliche Haltung.

 

Frage 3 – Geschlossene Frage als Erdung und Aufspaltung

Die dritte Frage lautet:
„Gibt es in Ihrem direkten Wohnumfeld bereits Windenergieanlagen oder ist das nicht der Fall?“

Diese Frage ist formal eine geschlossene Frage, weil sie im Wesentlichen auf „ja“, „nein“ oder eine planungsbezogene Zwischenstufe hinausläuft. Ihre Funktion liegt jedoch nicht allein in der Datenerhebung. Sie führt den Befragten aus der zuvor abstrakten Bewertung in sein konkretes Lebensumfeld zurück. Die Frage erdet ihn. Diese Erdung erfolgt allerdings nicht aus einem neutralen Ausgangspunkt heraus. Der Befragte hat zuvor bereits eine Wichtigkeit eingeordnet und eine grundsätzliche Haltung zum Ausbau formuliert. Er erinnert und prüft sein Umfeld daher nicht voraussetzungslos, sondern im Lichte einer bereits geformten Einschätzung. Die Frage löst einen inneren Suchprozess aus. Der Befragte durchgeht sein Wohnumfeld, erinnert Wege, Landschaften, Blickachsen und möglicherweise bereits wahrgenommene Anlagen. Auch Anlagen, die zuvor im Alltag keine bewusste Rolle gespielt haben, können durch diese Frage wieder präsent werden. Zugleich wirkt diese Rückführung nicht nur kognitiv, sondern auch emotional. Der Befragte erlebt sich als jemand, der sein persönliches Umfeld prüft und bewertet. Er wird als verantwortliches Gegenüber angesprochen, das seine eigene Lebenswirklichkeit einbezieht und ernst genommen wird. Die geschlossene Frage erfüllt damit eine doppelte Funktion: Sie differenziert formal zwischen Befragten mit und ohne Anlagen im Wohnumfeld und verankert zugleich den weiteren Frageverlauf in der persönlichen Wahrnehmung des Befragten.

Kern: Frage 3 erdet den Befragten, aber sie erdet ihn auf Grundlage einer bereits aufgebauten Haltung.

 

Frage 4 – Hypothetische Suggestiv- und Skalierungsfrage

Die vierte Frage lautet:
Wenn in Ihrem Wohnumfeld gemäß der aktuellen Genehmigungspraxis Windenergieanlagen gebaut werden sollten: Hätten Sie dagegen sehr große, große, weniger große oder gar keine Bedenken?“

Diese Frage ist formal eine hypothetische Frage, weil sie mit „wenn“ ein mögliches zukünftiges Szenario eröffnet. Zugleich ist sie eine Skalierungsfrage, weil sie Bedenken nach Intensität ordnet. In ihrer Wirkung trägt sie außerdem deutliche Elemente einer Suggestivfrage, weil sie den Befragten in einen vorstrukturierten Begriffsraum führt. Der Einstieg „wenn“ verlegt den Befragten aus der zuvor erfolgten Verortung in eine gedankliche Projektion. Er bleibt nicht bei der Feststellung seines Umfelds, sondern beginnt sich vorzustellen, wo Anlagen entstehen könnten und welche Folgen dies hätte. Die zuvor erzeugte Erdung wird damit aktiv genutzt. Der Verweis auf die „aktuelle Genehmigungspraxis“ führt einen Bezugsrahmen ein, der nicht erläutert wird. Dem Befragten wird damit implizit zugemutet, eine Vielzahl komplexer Aspekte mitzudenken.

Kern: Das Szenario überlagert die Abwägung.

 

Frage 5 – Skalierungsfrage als Akzeptanzsicherung

Die fünfte Frage lautet:
„Sind Sie mit den Windenergieanlagen in Ihrem Wohnumfeld voll und ganz, eher, eher nicht oder überhaupt nicht einverstanden?“

Formal ist diese Frage eine Skalierungsfrage, weil sie Zustimmung und Ablehnung in Abstufungen erhebt. In ihrer Position im Katalog wirkt sie jedoch zugleich als suggestive Anschlussfrage, weil sie nicht aus einem neutralen Ausgangspunkt heraus gestellt wird, sondern nach Prägung, Stabilisierung, Erdung und hypothetischer Szenariobildung.

Kern: Die Frage misst Akzeptanz – und festigt sie zugleich.

 

Zwischenfazit zu Frage 1 bis 5

Die ersten fünf Fragen bilden keinen losen Fragenblock, sondern einen Ablauf. Frage 1 setzt den Rahmen. Frage 2 stabilisiert ihn. Frage 3 erdet den Befragten in seinem Wohnumfeld. Frage 4 nutzt diese Erdung für ein hypothetisches Szenario. Frage 5 greift auf den entstandenen Zusammenhang zurück und überführt ihn in messbare Akzeptanz. Entscheidend ist dabei die Kombination der Fragearten. Skalierungsfragen erzeugen Messbarkeit, Suggestivfragen lenken den Deutungsraum, geschlossene Fragen spalten den Befragtenstrom auf, hypothetische Fragen erzeugen Vorstellung, und Anschlussfragen sichern die zuvor aufgebaute Linie. Der Fragebogen wirkt damit nicht durch eine einzelne Formulierung, sondern durch die Abfolge seiner Frageformen.

 


 

Frage 6 – Projektion, Auswahl und soziale Filterung

Die sechste Frage lautet:
„Was glauben Sie: Wie viele von 10 Bürgern in Ihrer Gemeinde hätten gegen Windenergieanlagen vor Ort große Bedenken?“

Bereits die Einleitung „Was glauben Sie“ ist von zentraler Bedeutung. Sie macht deutlich, dass es sich nicht um Wissen handelt, sondern um eine Einschätzung. Der Befragte wird nicht aufgefordert, eine überprüfbare Tatsache zu benennen, sondern eine Vorstellung zu bilden. Die Antwort bewegt sich damit von vornherein im Bereich des Hypothetischen. Gleichzeitig wird diese Unsicherheit nicht als Problem markiert, sondern als normale Grundlage der Antwort akzeptiert. Die Frage wird gestellt, obwohl sie ausdrücklich nicht auf Wissen abzielt. Damit wird die Einschätzung selbst zum Gegenstand der Erhebung. In der konkreten Beantwortung greift der Befragte jedoch nicht ins Leere. Er wird seinen eigenen Erfahrungsraum heranziehen. Er denkt an Menschen, die er kennt: Nachbarn, Bekannte, Kollegen. Unter diesen findet ein gewisser Austausch statt, auch zu Themen wie Energie oder Windkraft. Diese Erinnerungen werden nun aktiviert und abgeglichen.

Dabei wirkt die zuvor aufgebaute Antwortstruktur weiter. Der Befragte hat bereits eine grundsätzliche Haltung entwickelt und diese über mehrere Fragen hinweg stabilisiert. In dieser Situation sucht er nicht zufällig nach Personen, sondern orientiert sich an seinem eigenen Umfeld von Gleichgesinnten. Gerade im engeren sozialen Kreis sind Übereinstimmungen häufig, während starke Gegensätze eher zu Distanz oder Konflikt führen. Diese Auswahl ist daher nicht neutral. Sie ist sozial gefiltert. Der Befragte bezieht sich bevorzugt auf Personen, mit denen ein gewisser Konsens besteht. Abweichende Positionen treten in den Hintergrund oder werden ausgeklammert.

Hinzu kommt eine zweite Filterebene. Öffentliche Kritik oder organisierter Widerstand – etwa in Form von Bürgerinitiativen – kann zwar im Umfeld präsent sein, wird jedoch nicht zwingend als repräsentativ für „die Bürger“ wahrgenommen. Solche Gruppen können als randständig oder konfliktbehaftet eingeordnet werden und werden dadurch bei der gedanklichen Auswahl relativiert oder bewusst ausgeblendet. In dieser Konstellation entsteht eine doppelte Verzerrung. Zum einen durch die Auswahl des eigenen sozialen Umfelds, zum anderen durch die Ausgrenzung sichtbar abweichender Positionen. Die Frage verlangt eine Zahl, diese Zahl basiert jedoch auf einer gefilterten Wahrnehmung. Die Skalierung „wie viele von 10“ zwingt den Befragten zusätzlich zur Konkretisierung. Er kann sich nicht in allgemeinen Formulierungen bewegen, sondern muss eine Zahl nennen. Diese Zahl entsteht nicht aus einer statistischen Grundlage, sondern aus einer subjektiven Einschätzung innerhalb eines bereits vorstrukturierten Wahrnehmungsfeldes.

Vor diesem Hintergrund ist es naheliegend, dass die Antwort nicht extrem ausfällt, sondern relativierend wirkt. Der Befragte wird eine Zahl wählen, die seinem Eindruck von Mehrheitsverhältnissen entspricht, ohne stark abzuweichen. Eine Angabe im mittleren bis höheren Bereich – etwa sieben von zehn – erscheint unter diesen Bedingungen plausibel, weil sie sowohl vorhandene Bedenken anerkennt als auch eine mehrheitliche Zustimmung impliziert.

 

Frage 7 – Verdopplung, Differenz und erzwungene Konsistenz

Die siebte Frage lautet:
„Was glauben Sie: Wie viele von 10 Bürgern in Ihrer Gemeinde sind mit den Windenergieanlagen eher nicht einverstanden?“

Auch hier steht am Anfang „was glauben Sie“. Die Antwort basiert damit nicht auf Wissen, sondern auf Einschätzung. Der Befragte bewegt sich erneut im Bereich der Projektion. Gleichzeitig baut die Frage unmittelbar auf Frage 6 auf. Der Befragte hat dort bereits eine Zahl genannt, wie viele Bürger „große Bedenken“ hätten. Diese Zahl steht nun im Raum und wirkt fort. Zur Veranschaulichung lässt sich dies konkret durchspielen. Nennt der Befragte in Frage 6 beispielsweise die Zahl 7, also dass sieben von zehn Bürgern „große Bedenken“ hätten, entsteht für ihn in Frage 7 unmittelbar ein Bezugspunkt. Auffällig ist die aggressive Verdopplung der Frage. Der Befragte wird unmittelbar nach seiner ersten Einschätzung erneut zur Quantifizierung gezwungen – diesmal mit einem leicht veränderten Begriff („eher nicht einverstanden“ statt „große Bedenken“).

Diese zweite Frage ist keine neue Frage. Sie ist die Fortsetzung der ersten. Hat der Befragte 7 von 10 genannt, ergibt sich die Antwort auf Frage 7 unmittelbar als Differenz: 3 von 10. Eine eigenständige Bewertung findet nicht mehr statt. Der Befragte würde sich andernfalls in einen Widerspruch zu seiner eigenen Aussage begeben. Die zweite Zahl ist damit keine Einschätzung, sondern eine Konsequenz. Gerade hierin liegt der Eingriff. Der Befragte wird nicht erneut befragt, sondern in eine Struktur gezwungen, in der er seine eigene Antwort bestätigt. Die Verdopplung wirkt wie eine Klammer: Was einmal gesetzt ist, wird unmittelbar gespiegelt und abgesichert. Ein Abweichen wäre möglich, würde jedoch die eigene Konsistenz infrage stellen. Genau das vermeidet der Befragte.

Damit entsteht kein zweites Bild, sondern ein geschlossenes Verhältnis. Die erste Zahl definiert die zweite. Die zweite stabilisiert die erste.

 


Ergänzung – Auswertung und Wirkung (6,7)

In der Auswertung der gesamten Antwortstruktur wirkt diese Konstruktion unmittelbar auf das Ergebnis. Die aus Frage 6 und 7 gebildeten Zahlen erscheinen als getrennte Einschätzungen, bilden tatsächlich jedoch ein geschlossenes Verhältnis. Dieses Verhältnis wirkt sich auf die Gesamtbewertung aus. Die Differenzbildung erzeugt ein scheinbar konsistentes Bild der Verteilung von Zustimmung und Ablehnung innerhalb der Bevölkerung. Tatsächlich beruht dieses Bild auf einer einmal gesetzten Zahl und deren rechnerischer Ergänzung. Gerade hierin liegt der entscheidende Punkt: Die Antworten erscheinen als unabhängige Aussagen, sind jedoch strukturell miteinander verknüpft. Die zweite Antwort bestätigt die erste und stabilisiert sie statistisch. In der Auswertung entsteht daraus eine positive Resonanz zugunsten der Befürwortung. Die Struktur der Fragen führt dazu, dass die Zustimmung nicht nur erhoben, sondern in der Auswertung verstärkt erscheint.

Die Statistik wird hier gebeugt.


 

Frage 8 – Handlung, Szenario und erzwungene Konsistenz

Die Frage lautet:
„Wenn in Ihrem Wohnumfeld gemäß der bestehenden Planungs- und Genehmigungsverfahren Windräder geplant würden: Würden Sie dagegen demonstrieren oder vermutlich nicht?“

Diese Frage ist als hypothetische Handlungsfrage angelegt. Sie eröffnet mit „Wenn … würden“ ein Szenario und verlangt nicht mehr nur eine Bewertung, sondern eine konkrete Handlung. Der Befragte wird damit aus der Ebene der Einschätzung in die Ebene der Konsequenz geführt. Dabei trifft diese Frage nicht auf einen unvorbereiteten Zustand. Der Befragte hat sich – sofern er nicht von Grund auf bereits offen war – insbesondere nach den vorhergehenden Fragen mit dem Thema befasst, eine grundsätzliche Haltung entwickelt und sein Umfeld gedanklich durchdrungen. In dieser Situation entsteht ein Bruch, wenn er nun „vermutlich demonstrieren“ wählen würde. Eine solche Antwort würde seine zuvor entwickelte Position konterkarieren. Sie wäre nicht nur eine Meinungsäußerung, sondern eine sichtbare Handlung gegen einen Sachverhalt, den er zuvor in Teilen akzeptiert hat.

Genau hierin liegt der entscheidende Punkt: Die Frage konfrontiert den Befragten mit einer Handlung, die mit seiner bisherigen Antwortlinie schwer vereinbar ist. Eine Zustimmung zur Demonstration würde einer Selbstwidersprüchlichkeit gleichkommen. Die Formulierung „vermutlich nicht“ wirkt dabei als vorgegebene Ausweichlinie. Sie erlaubt es dem Befragten, seine bisherige Haltung konsistent fortzuführen, ohne sich festlegen zu müssen. Das Nicht-Handeln erscheint als anschlussfähige und konfliktvermeidende Antwort. Eine Entscheidung für „vermutlich demonstrieren“ würde hingegen eine Selbstdemontage darstellen. Sie würde die eigene Antwortstruktur infrage stellen und ist daher praktisch ausgeschlossen. In dieser Konstellation bleibt dem Befragten nur ein enger Antwortkorridor. Die Antwort wird sich in der Regel auf „vermutlich nicht“ verlagern, im Grenzfall auf „weiß nicht“, um eine offene Konfrontation mit der eigenen Linie zu vermeiden.


Ergänzung – psychologische Hürde der Handlung

An dieser Stelle wird die Frage unredlich. Die Vorstellung, sich aktiv und öffentlich als Gegner zu positionieren, stellt für viele Bürger eine erhebliche psychologische Hürde dar. Eine Demonstration ist keine bloße Meinungsäußerung, sondern ein sichtbarer Schritt in den öffentlichen Raum, verbunden mit Aufmerksamkeit, möglicher Konfrontation und sozialer Zuschreibung. Diese Hürde wird von vielen nicht überschritten, selbst dann nicht, wenn sie inhaltlich mit den Anliegen der Demonstrierenden übereinstimmen. Zwischen innerer Haltung und äußerer Handlung besteht damit eine deutliche Differenz. Gerade diese Differenz wird in der Frage nicht berücksichtigt. Sie setzt Zustimmung oder Ablehnung mit der Bereitschaft zur öffentlichen Handlung gleich und verengt damit die Antwortmöglichkeiten.


 

Frage 9 – Verschiebung, moralische Aufladung und strategischer Rückzug

Die Frage lautet:
„Würden Sie an einer Demonstration für die Energiewende teilnehmen, auch wenn dafür neue Windenergieanlagen in Ihrem Wohnumfeld gebaut werden?“

Diese Frage ist als hypothetische Handlungsfrage angelegt. Sie eröffnet mit „Würden Sie … teilnehmen“ ein Szenario und verlangt nicht mehr nur eine Bewertung, sondern eine konkrete Handlung. Der Befragte wird damit aus der Ebene der Einschätzung in die Ebene der Konsequenz geführt. Die Frage verlässt an dieser Stelle den eigentlichen Untersuchungsgegenstand. Gegenstand der Studie ist die Akzeptanz von Windenergieanlagen. Die Frage stellt jedoch nicht mehr die Anlage selbst in den Mittelpunkt, sondern die „Energiewende“ als übergeordnetes Ziel. Damit wird ein neuer Bezugsrahmen eingeführt, der nicht neutral ist. Es wird implizit unterstellt, dass der Befragte dieses Ziel teilt oder sich ihm zumindest nicht entziehen kann. Die Frage setzt damit eine Zustimmung voraus, die zuvor nicht ausdrücklich abgefragt wurde. In diesem Moment entsteht eine kurze Irritation. Der Befragte wird aus der konkreten Betrachtung seines Wohnumfeldes herausgehoben und mit einem abstrakten, gesellschaftlich aufgeladenen Ziel konfrontiert.

Der Bezug auf die Energiewende entfaltet eine starke Bindungswirkung. Er steht für ein übergeordnetes Narrativ, das mit Klimaschutz und Verantwortung verbunden ist. Der Befragte wird damit in eine größere Sinnstruktur eingebunden. Vor diesem Hintergrund verändert sich die Wahrnehmung der Bedingung: „auch wenn dafür neue Windenergieanlagen in Ihrem Wohnumfeld gebaut werden“. Diese erscheint nun nicht mehr als eigenständige Belastung, sondern als konsequente Erfordernis. Gerade hierin liegt der Eingriff. Die persönliche Betroffenheit wird nicht isoliert bewertet, sondern in einen übergeordneten Zusammenhang gestellt. Eine Ablehnung wird dadurch erschwert, weil sie nicht nur die Maßnahme, sondern das Ziel berührt.

In dieser Konstellation wird der Befragte eingefangen. Selbst bei bestehenden Zweifeln entsteht ein Spannungsverhältnis, das nicht leicht aufzulösen ist. Die Antwort „weiß nicht“ gewinnt dadurch an Bedeutung. Sie erlaubt es, diesem Spannungsfeld auszuweichen, ohne sich offen gegen das Ziel zu stellen. Sie ist jedoch keine Ablehnung, sondern eine Ausweichbewegung innerhalb eines bereits gesetzten Rahmens als strategische Rückzugsebene, die ihm zur Verfügung gestellt wird, ohne das Gesamtbild der Studie negativ zu beeinflussen. Gerade hierin liegt ein strategischer Zugriff: Die Frage eröffnet dem Befragten einen Ausweg, der die innere Spannung auflöst, ohne das Ergebnis in Richtung Ablehnung zu verschieben.

 

Frage 10 – Zustimmungsvorgabe, Einseitigkeit und Banalität

Die Frage lautet:
„Wie sehr stimmen Sie folgenden Aussagen zur Nutzung der Windenergie zu: saubere Energiequelle, sichere Technologie, wirtschaftlicher Fortschritt, sichert unsere Zukunft, schützt die Natur“

Bereits die Einleitung „Wie sehr stimmen Sie … zu“ setzt den Rahmen. Sie eröffnet keine Prüfung der Aussagen, sondern stellt die Zustimmung an den Anfang. Der Befragte wird nicht gefragt, ob die Aussagen zutreffen, sondern wie stark er ihnen zustimmt. Die Bewertung wird damit in eine vorgegebene Zustimmungslogik überführt. Die aufgeführten Aussagen bilden eine geschlossene Reihe ausschließlich positiv aufgeladener Begriffe: „saubere Energiequelle“, „sichere Technologie“, „wirtschaftlicher Fortschritt“, „sichert unsere Zukunft“, „schützt die Natur“. Jeder dieser Begriffe ist für sich bereits zustimmungsfähig, in ihrer Kombination entfalten sie eine kumulative Wirkung.

Negative oder konfliktbehaftete Aspekte werden vollständig ausgeblendet. Fragen des Landschaftsbildes, von Lärm oder Schatten finden keine Berücksichtigung. Der Gegenstand wird damit nicht in seiner tatsächlichen Spannweite abgebildet, sondern auf eine positive Eigenschaftsebene reduziert. Wie soll man positiven Effekten nicht zustimmen? Eine Ablehnung wirkt nicht wie eine differenzierte Position, sondern wie eine Abkehr von allgemein akzeptierten Zielvorstellungen. Hier wird nicht erhoben, hier wird erzeugt.

Der Befragte hat zuvor bereits seine Zustimmung und grundsätzliche Haltung kenntlich gemacht. Zugleich ist er weder Ingenieur, Wirtschaftsweiser noch Biologe. Die Aussagen verlangen Bewertungen, die fachlich weit über seine eigene Einordnung hinausgehen. Begriffe wie „sichere Technologie“ oder „sichert unsere Zukunft“ sind in dieser Absolutheit nicht belastbar; eine Zukunft kann per se nicht gesichert werden. Gerade die Formulierung „sichert unsere Zukunft“ arbeitet mit einer Überdehnung. „Zukunft“ bezeichnet die Zeit, die kommt; gemeint ist hier möglicherweise deren Qualität – insbesondere Wohlstand, Stabilität und Versorgungssicherheit. Diese Qualität wird der Windenergie pauschal zugeschrieben. Der Begriff „sichert“ bleibt unbestimmt, wirkt jedoch absolut. Eine mögliche Teilwirkung wird sprachlich zu einer umfassenden Garantie verdichtet.

Diese Feststellung kann der Befragte im Telefoninterview nicht treffen. Gerade die Banalität dieser Frage überlistet den Befragten. Sie verlangt keine fachliche Prüfung, sondern Zustimmung zu scheinbar selbstverständlichen Aussagen. Der Befragte wird sich dabei auf die „sichere“ Seite schlagen und zustimmen.


Ergänzung – Überdehnung des Zukunftsbegriffs

Die Aussage „sichert unsere Zukunft“ überschreitet den sachlichen Rahmen der Frage. Sie stellt einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Nutzung der Windenergie und der Sicherung der Zukunft her, der in dieser Form nicht haltbar ist. Die Zukunft ist von einer Vielzahl von Faktoren abhängig – geopolitischen Entwicklungen, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, technologischen Veränderungen und gesellschaftlichen Konflikten. Einzelne Energieformen können in diesem Gefüge eine Rolle spielen, sie können jedoch nicht in isolierter Weise als sichernde Instanz für die Zukunft dargestellt werden. Gerade vor dem Hintergrund globaler Krisen und Konflikte wirkt diese Aussage überdehnt. Sie verlagert die Bewertung von einer konkreten Maßnahme auf eine umfassende Zukunftsbehauptung, die mit dem eigentlichen Gegenstand nicht mehr in einem angemessenen Verhältnis steht. In dieser Form ist die Aussage fehl am Platz. Sie ersetzt eine sachliche Bewertung durch eine weitreichende, nicht belegbare Zuschreibung.

Passage – „sichert unsere Zukunft“

Die Formulierung „sichert unsere Zukunft“ ist in dieser Form nicht haltbar. „Zukunft“ bezeichnet zunächst die Zeit, die kommt. Sie ist unvermeidbar und keiner Maßnahme zu verdanken. Gemeint ist hier möglicherweise nicht die Zeit selbst, sondern deren Qualität – insbesondere Wohlstand, Stabilität und Versorgungssicherheit. Genau diese Qualität wird der Windenergie pauschal zugeschrieben. Damit wird aus einer Einzelmaßnahme eine umfassende Zukunftsleistung gemacht. Der Begriff „sichert“ verstärkt diesen Effekt. Er bleibt unbestimmt, wirkt jedoch absolut. Ob Beitrag, Einfluss oder Garantie gemeint ist, wird nicht geklärt. Sprachlich entsteht der Eindruck einer umfassenden Absicherung, ohne dass deren Umfang benannt oder belegt wird. Die Formulierung verdichtet einen komplexen Zusammenhang zu einer einfachen Kausalität: Windenergie sichert Zukunft. Diese Verkürzung trägt nicht. Die Entwicklung von Wohlstand und Stabilität hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab, die hier vollständig ausgeblendet werden. Was bleibt, ist eine überhöhte Zuschreibung. Eine mögliche Teilwirkung wird zur umfassenden Garantie erklärt.


 

Frage 11 – Vorfestlegung durch „für“ und Ausschluss der Grundsatzentscheidung

Die Frage lautet:
„Wie sollte sich die Bundesregierung künftig für den Ausbau der Windenergie einsetzen?“

Bereits die Formulierung enthält die entscheidende Vorfestlegung. Der Ausbau wird nicht zur Disposition gestellt, sondern als gegeben vorausgesetzt. Der Befragte wird nicht gefragt, ob sich die Bundesregierung dafür einsetzen soll, sondern ausschließlich, in welchem Umfang. Zentral ist dabei das Wort „für“. Es ist keine neutrale Verbindung, sondern eine Präposition der Ausrichtung. „Für“ bedeutet unterstützen, fördern, vorantreiben. Damit wird der Befragte sprachlich bereits auf die Seite des Ausbaus gestellt, bevor er antwortet.

Die Frage eröffnet damit keinen Entscheidungsraum, sondern einen gerichteten Rahmen. Der Befragte bewegt sich nicht zwischen Zustimmung und Ablehnung, sondern innerhalb einer vorgegebenen Unterstützungslogik. Auch die scheinbar negativen Antwortoptionen „eher schwächer“ oder „deutlich schwächer“ durchbrechen diesen Rahmen nicht. Sie relativieren lediglich das Maß der Unterstützung, nicht das Ziel selbst. Selbst eine Reduktion bleibt ein Weniger an „für“. Eine echte Ablehnung – etwa im Sinne eines Verzichts auf weiteren Ausbau – ist nicht vorgesehen. Auch die Antwortoption „weiß nicht“ stellt keinen Widerspruch dar. Sie entzieht sich der Abstufung, lässt jedoch die zugrunde liegende Ausrichtung unberührt. Das „für“ bleibt bestehen.


Ergänzung – Vorfestlegung durch die Formulierung „für den Ausbau … einsetzen“

Die Formulierung „Wie sollte sich die Bundesregierung künftig für den Ausbau der Windenergie einsetzen?“ enthält bereits die entscheidende Vorfestlegung. Sie stellt den Ausbau nicht zur Disposition, sondern setzt ihn als gegeben voraus. Der Befragte wird nicht gefragt, ob sich die Bundesregierung für den Ausbau einsetzen soll, sondern ausschließlich, wie stark dieses Engagement ausfallen soll. Damit ist die Grundentscheidung vorweggenommen. Gerade hierin liegt der Zugriff. Die Frage bindet den Befragten an ein Ziel, das nicht mehr zur Prüfung steht. Selbst die Antwortoptionen „eher schwächer“ oder „deutlich schwächer“ bewegen sich weiterhin innerhalb dieses Rahmens. Eine echte Ablehnung – etwa im Sinne eines Verzichts auf weiteren Ausbau – ist nicht vorgesehen. Die Formulierung „für den Ausbau“ wirkt dabei wie ein semantischer Anker. Sie verengt den Denkraum auf Varianten der Unterstützung und schließt eine grundlegende Gegenposition aus.

Ergänzung – Funktion von „weiß nicht“

Auch die Antwortoption „weiß nicht“ durchbricht diesen Rahmen nicht. Sie stellt keine Ablehnung des „für den Ausbau“ dar, sondern verbleibt innerhalb der vorgegebenen Logik. Der Befragte entzieht sich damit lediglich der Abstufung des Engagements, nicht jedoch der zugrunde liegenden Zielsetzung. Das „für“ bleibt unangetastet. Damit erfüllt „weiß nicht“ dieselbe strukturelle Funktion wie in den vorhergehenden Fragen: Es dient als Ausweichoption, ohne das Gesamtbild in Richtung Ablehnung zu verschieben.


 

Frage 12 – Rahmenverschiebung und Generierung systemischer Zustimmung

Die Frage lautet:
„Stimmen Sie folgenden Aussagen zur Energiewende zu: Ausbau der Stromnetze erforderlich, mehr Speicherkapazitäten notwendig“

Bereits die Einleitung markiert einen Bruch. Der Gegenstand der Studie ist die Akzeptanz von Windenergieanlagen an Land. Frage 12 verlässt diesen Gegenstand und verlagert die Bewertung auf systemische Voraussetzungen der Energiewende. Thematisiert werden nicht mehr konkrete Anlagen, Standorte oder Auswirkungen, sondern Netze und Speicher. Diese sind grundlegende Infrastrukturkomponenten eines jeden Energiesystems – unabhängig davon, ob dieses auf Windenergie, Photovoltaik, Wasserstoff oder konventionellen Kraftwerken beruht. Damit wird nicht die Akzeptanz des Untersuchungsgegenstands erhoben, sondern Zustimmung zu technisch plausiblen Voraussetzungen.

Die Formulierung verstärkt diesen Effekt. Begriffe wie „erforderlich“ und „notwendig“ setzen eine Norm. Sie eröffnen keine Prüfung, sondern erwarten Zustimmung. Der Befragte löst die Frage auf dieser Systemebene. Infrastruktur folgt der Energieerzeugung. Wer Energie nutzt, benötigt Netze und Speicher. Eine Ablehnung würde bedeuten, die Funktionsfähigkeit des Gesamtsystems in Frage zu stellen. Der Befragte würde sich damit selbst als unsachkundig positionieren. Er antwortet daher nicht zur Windenergie, sondern zur technischen Plausibilität von Infrastruktur. Diese Zustimmung ist nahezu zwangsläufig. Sie entsteht unabhängig von der Haltung zu Windenergieanlagen im eigenen Umfeld. Im Ergebnis wird diese systemische Zustimmung jedoch der Studie zugerechnet. Sie geht als positives Votum in die Gesamtbewertung ein, obwohl sie sich nicht auf den Untersuchungsgegenstand bezieht. Die Frage ist daher für den Gegenstand der Studie nicht relevant und wirkt zugleich zustimmungserzeugend.

 

Frage 13 – Einordnung und nachgelagerte Trennwirkung

Die Frage lautet:
„Wo leben Sie bzw. wie würden Sie Ihr Wohnumfeld beschreiben?“

Es handelt sich um eine klassische Strukturfrage zur Einordnung des Befragten. Sie enthält keine unmittelbare inhaltliche Steuerung und soll die spätere Segmentierung der Ergebnisse ermöglichen. Grundsätzlich sollte diese Einordnung keinen Einfluss auf die zuvor gegebenen Antworten haben. Genau hierin liegt jedoch ihre strategische Bedeutung. Die Position am Ende des Fragebogens ist entscheidend. Der Befragte hat seine Haltung bereits vollständig abgegeben. Eine nachträgliche Korrektur oder Einordnung seiner Antworten im Lichte der eigenen Betroffenheit ist nicht mehr möglich.

Würde diese Frage am Anfang (1. oder 2.) gestellt, würde der Befragte seine Antworten stärker aus der Perspektive seines eigenen Wohnumfeldes heraus gewichten. Die Abfolge wäre eine andere. An dieser Stelle hingegen wirkt die Frage als nachgelagerter Trennmechanismus. Sie erlaubt es, die bereits erhobenen Antworten statistisch zuzuordnen und differenziert auszuwerten.

Dabei entsteht ein relevanter Effekt: Die Akzeptanz in städtischen Räumen fällt typischerweise höher aus, da unmittelbare Betroffenheit durch Anlagen selten ist. Zustimmung, die zuvor unabhängig von dieser Einordnung abgegeben wurde, kann im Ergebnis bestimmten Gruppen zugeschrieben werden. Damit wird Zustimmung erfasst, ohne dass sie im Moment der Beantwortung durch die eigene Lebensrealität des Befragten relativiert werden konnte.


Schlussblock – Systematische Erzeugung von Zustimmung

Die vorliegende Befragung misst nicht lediglich Einstellungen. Sie strukturiert sie. Über den gesamten Fragenkatalog hinweg wird ein konsistenter Wirkmechanismus aufgebaut. Ausgangspunkt ist eine positiv gerahmte Zielsetzung, die nicht zur Disposition steht. Der Befragte wird schrittweise in dieses Ziel eingebunden, zunächst über allgemeine Zustimmung, dann über die Verortung im eigenen Lebensumfeld. Konflikt wird nicht offen gestellt, sondern in Abstufung überführt. Ablehnung erscheint nicht als gleichwertige Option, sondern als Abweichung innerhalb eines bereits gesetzten Rahmens. Der Befragte entwickelt so eine Linie, die er im weiteren Verlauf stabilisiert. Diese Stabilisierung wird anschließend gespiegelt. Eigene Einschätzungen werden auf andere übertragen und rechnerisch verdoppelt. Wahrnehmung wird bestätigt, nicht geprüft. Im nächsten Schritt wird die Handlungsebene verschoben. Zustimmung wird von der Meinung getrennt und an höhere Schwellen gebunden. Wer nicht aktiv widerspricht, erscheint als zustimmend.Darauf folgt die entscheidende Ausweitung. Der konkrete Gegenstand – Windenergieanlagen – wird verlassen und durch systemische Selbstverständlichkeiten ersetzt. Netze, Speicher und Infrastruktur werden als notwendig dargestellt. Zustimmung entsteht hier nahezu zwangsläufig.

Diese Zustimmung ist nicht mehr an den ursprünglichen Gegenstand gebunden, wird jedoch im Gesamtergebnis wirksam. Sie stabilisiert das Bild einer breiten Akzeptanz, obwohl sie sich auf einen anderen Sachverhalt bezieht. Am Ende erfolgt die Einordnung. Der Befragte wird einem Lebensumfeld zugeordnet, ohne dass diese Einordnung seine Antworten zuvor beeinflussen konnte. Unterschiede werden nachträglich sichtbar gemacht und können in der Auswertung gezielt verwendet werden. Im Ergebnis entsteht ein geschlossenes Bild. Zustimmung wird aufgebaut, stabilisiert, gespiegelt und erweitert. Sie wird nicht allein erhoben, sondern im Verlauf der Befragung systematisch erzeugt.

 

 

Hypothetische Gesamtwahrscheinlichkeit

Die Wirkung des Fragebogens lässt sich nicht aus einer einzelnen Frage ableiten, sondern nur aus der kumulativen Struktur des gesamten Katalogs. Wird jeder Frage ein strukturbedingter positiver Wirkanteil zugerechnet, ergibt sich die Wahrscheinlichkeit eines insgesamt zustimmungsbegünstigenden Ergebnisses aus der Formel:

Dabei bezeichnet die jeweilige positive Lenkungswirkung der einzelnen Frage. Mangels experimenteller Kontrollgruppe ist dieser Wert nicht exakt messbar. Auf Grundlage der hier herausgearbeiteten Rahmung, Sequenzierung, Skalierung, Spiegelung und systemischen Ausweitung erscheint jedoch eine hypothetische Gesamtwahrscheinlichkeit von rund 85 Prozent plausibel. Diese Zahl ist keine empirisch gesicherte Messgröße, sondern eine modellhafte Näherung: Sie besagt, dass die Konstruktion des Fragebogens mit hoher Wahrscheinlichkeit ein positives Ergebnis zugunsten der Windenergie begünstigt.

Beispielrechnung (modellhafte Näherung)Erläuterung in einfacher Sprache

Man kann sich jede einzelne Frage wie einen kleinen Schubs in Richtung Zustimmung vorstellen. Für sich genommen wirkt jeder dieser Schübe vielleicht nicht entscheidend. Entscheidend ist aber, dass sie sich über den gesamten Fragebogen hinweg aufbauen. Wenn man vereinfacht annimmt, dass jede der 13 Fragen im Durchschnitt einen moderaten Einfluss in Richtung Zustimmung ausübt, dann summieren sich diese Einflüsse nicht einfach linear, sondern verstärken sich gegenseitig. Am Ende entsteht daraus eine deutlich höhere Gesamtwirkung. Die Beispielrechnung zeigt genau diesen Effekt: Viele kleine Einwirkungen führen gemeinsam dazu, dass das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit in Richtung Zustimmung ausfällt.

Oder einfacher gesagt: Nicht eine einzelne Frage entscheidet das Ergebnis – sondern die Abfolge aller Fragen zusammen.

 


Nachweis der strukturellen Ergebnisbildung

Mit dem vorliegenden Ergebnis der Befragung erhält die Analyse eine entscheidende empirische Referenz. Der ausgewiesene Zustimmungswert von rund 70 % für die Wichtigkeit der Nutzung und des Ausbaus der Windenergie an Land liegt – bei einer Stichprobe von 1.005 Befragten und einer statistischen Fehlertoleranz von etwa ±3 Prozentpunkten – in einem stabilen und belastbaren Bereich. Gerade diese Stabilität verschiebt jedoch die analytische Perspektive. Denn ein Wert dieser Größenordnung ist nicht mehr durch zufällige Streuung erklärbar, sondern verlangt eine methodische Einordnung seiner Entstehungsbedingungen. Die vorangegangene Analyse hat gezeigt, dass der Fragebogen keinen neutralen Erhebungsraum eröffnet, sondern eine sequenzielle Struktur bildet, in der der Befragte schrittweise in einen zustimmungsfähigen Denkraum geführt wird.

Diese Struktur umfasst die Setzung eines übergeordneten Zielrahmens, die sprachliche Stabilisierung von Zustimmung, die Vermeidung offener Entscheidungsalternativen, die Überführung von Ablehnung in graduelle Abstufungen sowie die systematische Erweiterung des Gegenstandes auf allgemein zustimmungsfähige Aspekte wie Infrastruktur und Zukunftssicherung. Wird dieser Mechanismus in eine formale Betrachtung überführt, lässt sich der beobachtete Zustimmungswert als Ergebnis mehrerer überlagerter Komponenten verstehen. Neben einer tatsächlichen Ausgangspräferenz und einer statistisch begrenzten Zufallskomponente tritt ein strukturbedingter Effekt, der sich aus der Konstruktion des Fragebogens selbst ergibt. Dieser Effekt wirkt nicht punktuell, sondern kumulativ entlang der gesamten Frageabfolge.

Vor diesem Hintergrund gewinnt der empirische Wert von 70 % eine doppelte Bedeutung. Er beschreibt einerseits das Ergebnis der Befragung. Zugleich liegt er in genau jener Größenordnung, die unter Annahme einer systematisch wirkenden Fragesequenz plausibel zu erwarten ist. Damit wird kein exakter Nachweis im streng experimentellen Sinne geführt, wohl aber ein struktureller Zusammenhang sichtbar: Der ausgewiesene Zustimmungswert ist nicht unabhängig von den Bedingungen seiner Erhebung, sondern steht in einem konsistenten Verhältnis zu der zuvor analysierten Wirkarchitektur des Fragebogens. Der Befund lässt sich daher präzise fassen:

Das Ergebnis bestätigt nicht die Neutralität der Erhebung, sondern ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Ausdruck ihrer Konstruktion.


 

Juristische Gesamtbetrachtung der Umfrage zur Akzeptanz der Windenergie an Land – Herbst 2025

 I. Gegenstand und rechtlicher Prüfungsmaßstab

Der vorliegende Fragebogen zur Akzeptanz der Windenergie an Land ist nicht lediglich als Instrument der Meinungsforschung zu bewerten, sondern als potentiell entscheidungsrelevante Tatsachengrundlage im Kontext politischer und planerischer Prozesse. Insbesondere dort, wo Ergebnisse solcher Erhebungen zur Legitimation von Planungsentscheidungen oder zur Darstellung eines vermeintlichen Bürgerwillens herangezogen werden, unterliegt ihre Verwendung rechtlichen Anforderungen. Maßgeblich sind hierbei insbesondere das Abwägungsgebot gemäß § 1 Abs. 7 BauGB, der Amtsermittlungsgrundsatz gemäß § 24 VwVfG sowie die aus dem Rechtsstaatsprinzip (Art. 20 Abs. 3 GG) und dem Gleichheitssatz (Art. 3 Abs. 1 GG) folgenden Anforderungen an eine sachgerechte und unverzerrte Entscheidungsgrundlage. Diese Normen verlangen, dass entscheidungserhebliche Tatsachen vollständig, methodisch belastbar und ohne strukturelle Verzerrung erhoben werden. Eine Umfrage, die als Abbild öffentlicher Meinung verwendet wird, muss daher den Anforderungen an Neutralität, Offenheit des Entscheidungsraums und methodische Validität genügen.

 

II. Methodische Struktur als rechtlich relevanter Eingriff in die Willensbildung

Die forensische Analyse des Fragebogens zeigt, dass die erhobenen Antworten nicht in einem offenen und neutralen Raum entstehen, sondern innerhalb einer sequenziell aufgebauten Struktur, die den Denkraum des Befragten systematisch vorprägt. Bereits in den ersten Fragen wird ein übergeordneter Zielrahmen („Energiewende“) eingeführt, der nicht zur Disposition steht. Die Bewertung der Windenergie erfolgt damit nicht als offene Entscheidung, sondern innerhalb eines normativ gesetzten Zusammenhangs. Die Verwendung von Formulierungen wie „wurde beschlossen“ und „daher“ erzeugt eine logische Verknüpfung, die den Ausbau der Windenergie als folgerichtige Konsequenz erscheinen lässt. Diese Vorstrukturierung wirkt rechtlich relevant, da sie den Entscheidungsraum des Befragten einschränkt. Der Befragte wird nicht gefragt, ob er den Ausbau befürwortet, sondern wie er ihn innerhalb eines vorgegebenen Rahmens bewertet. Eine echte Gegenposition wird damit strukturell ausgeschlossen oder zumindest erheblich erschwert. Im weiteren Verlauf wird diese Struktur stabilisiert. Ablehnung wird nicht als gleichwertige Alternative zugelassen, sondern in graduelle Abstufungen überführt. Begriffe wie „Bedenken“ ersetzen eine offene Gegenüberstellung von Zustimmung und Ablehnung und verengen den Antwortkorridor auf Varianten innerhalb eines vorgegebenen Begriffsraums. Diese Konstruktion stellt aus juristischer Sicht eine unzulässige Vorprägung dar. Sie führt dazu, dass die erhobenen Antworten nicht als freie Willensbildung verstanden werden können, sondern als Ergebnis einer gesteuerten Antwortarchitektur.

 

III. Strukturelle Verzerrungen und ihre rechtliche Einordnung

Die Analyse zeigt mehrere Mechanismen, die in ihrer Gesamtheit eine systematische Verzerrung der Ergebnisse bewirken. Ein zentraler Aspekt ist die Verdopplung und Spiegelung von Antworten in den Fragen 6 und 7. Hier wird der Befragte zunächst zu einer Einschätzung über andere Bürger veranlasst und anschließend unmittelbar zur komplementären Quantifizierung gezwungen. Die zweite Antwort ist dabei nicht unabhängig, sondern ergibt sich rechnerisch aus der ersten. Diese Konstruktion erzeugt den Eindruck statistischer Stabilität, obwohl tatsächlich keine eigenständige zweite Erhebung vorliegt.

Rechtlich führt dies zu einem Mangel an methodischer Validität. Die erhobenen Daten erscheinen unabhängig, sind jedoch strukturell miteinander verknüpft. Eine solche Datengrundlage ist nicht geeignet, als belastbare Grundlage für planerische oder politische Entscheidungen zu dienen. Ein weiterer Mechanismus liegt in der Verschiebung des Bewertungsmaßstabs. In Frage 8 wird Zustimmung nicht mehr direkt abgefragt, sondern über die Bereitschaft zu einer öffentlichen Handlung (Demonstration) indirekt ermittelt. Da die Schwelle für eine solche Handlung deutlich höher liegt als für eine bloße Meinungsäußerung, führt dies systematisch zu einer Unterschätzung von Ablehnung.

Diese Vermengung von Meinung und Handlung stellt eine sachfremde Verzerrung dar. Sie verändert den Bewertungsmaßstab und führt zu Ergebnissen, die nicht mehr die tatsächliche Haltung der Befragten widerspiegeln. Besonders gravierend ist die systematische Ausweitung des Gegenstands in den späteren Fragen. Während der Fragebogen ursprünglich die Akzeptanz von Windenergieanlagen untersucht, werden in Frage 10 und 12 allgemein zustimmungsfähige Aussagen zu Infrastruktur, Technologie und Zukunftssicherung eingeführt. Diese Aussagen sind positiv konnotiert und entziehen sich einer differenzierten Bewertung im Befragungsmoment. Die dadurch erzeugte Zustimmung ist nicht auf den ursprünglichen Untersuchungsgegenstand bezogen, wird jedoch im Gesamtergebnis berücksichtigt. Juristisch handelt es sich hierbei um die Einbeziehung sachfremder Aspekte, die zu einer Verfälschung der Tatsachengrundlage führen.

 

IV. Konsequenzen für die Verwertbarkeit im Abwägungsprozess

Aus der dargestellten Struktur folgt, dass die Ergebnisse des Fragebogens nicht als neutrale Abbildung der öffentlichen Meinung angesehen werden können. Vielmehr handelt es sich um ein Ergebnis, das unter Bedingungen entstanden ist, die den Denk- und Entscheidungsraum der Befragten systematisch beeinflussen. Wird ein solcher Befund in einem planerischen Kontext verwendet, insbesondere im Rahmen der Abwägung nach § 1 Abs. 7 BauGB, liegt ein Abwägungsdefizit vor. Die Entscheidung beruht in diesem Fall auf einer Tatsachengrundlage, die nicht die tatsächlichen Belange der Bevölkerung widerspiegelt. Darüber hinaus kann ein Ermittlungsdefizit gemäß § 2 Abs. 3 BauGB vorliegen, wenn die Methodik der Umfrage nicht geprüft oder ihre strukturellen Verzerrungen nicht erkannt werden. Die Behörde ist verpflichtet, die Belastbarkeit der herangezogenen Informationen zu überprüfen. Unterbleibt dies, ist die Entscheidungsgrundlage unzureichend. Auch unter dem Gesichtspunkt des Gleichheitssatzes ist die Konstruktion problematisch. Ablehnende Positionen werden systematisch benachteiligt, indem sie nicht in gleicher Weise erhoben oder dargestellt werden. Dies führt zu einer strukturellen Verzerrung der Ergebnisdarstellung.

 

V. Gesamtbewertung

Zusammenfassend ergibt sich, dass der vorliegende Fragebogen kein neutrales Erhebungsinstrument darstellt, sondern ein strukturell gesteuertes System der Meinungsbildung. Die Abfolge der Fragen, ihre sprachliche Konstruktion und die Verknüpfung der Antwortformate führen dazu, dass Zustimmung nicht lediglich gemessen, sondern im Verlauf der Befragung aufgebaut, stabilisiert und verstärkt wird. Die daraus gewonnenen Ergebnisse sind daher nicht geeignet, als belastbare Tatsachengrundlage für planerische oder politische Entscheidungen herangezogen zu werden. Ihre Verwendung im Rahmen von Abwägungsprozessen würde gegen grundlegende Anforderungen an eine sachgerechte und unverzerrte Entscheidungsfindung verstoßen.

Der Befund lässt sich präzise zusammenfassen:

Das Ergebnis der Befragung ist nicht unabhängig von den Bedingungen seiner Erhebung, sondern steht in einem konsistenten Verhältnis zu der strukturellen Konstruktion des Fragebogens selbst.

 

VI. Disclaimer

Die vorstehenden Ausführungen stellen eine fachlich begründete Analyse der Struktur und Wirkungsweise des Fragebogens dar. Sie beruhen auf einer systematischen Auswertung der Formulierungen, der Abfolge der Fragen sowie der erkennbaren Mechanismen der Antwortbildung. Es handelt sich hierbei um eine wertende Einordnung im Rahmen der Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit. Die dargestellten Schlussfolgerungen beanspruchen keine abschließende rechtliche Würdigung im Einzelfall, sondern dienen der methodischen und inhaltlichen Bewertung der Erhebung. Eine gerichtliche Bewertung kann hiervon abweichen.

 

VII. Urheberrechtlicher Hinweis

© Jürgen Krewer - 2026 - Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung, Vervielfältigung oder Verbreitung – auch auszugsweise – ist nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Autors zulässig.


Die Analyse als Dokument

Die vorliegende Analyse liegt in einer vollständig gesetzten und zitierfähigen Fassung als Dokument vor. Auf eine unmittelbare Bereitstellung zum Download wird bewusst verzichtet. Das Dokument wird bei berechtigtem Interesse auf Anfrage zur Verfügung gestellt.

 

Loader Wird geladen …
EAD-Logo Es dauert zu lange?

Neu laden Dokument neu laden
| Öffnen In einem neuen Tab öffnen

Download [462.20 KB]

Der Fragenkatalog

Der nachfolgende Fragenkatalog ist der Studie „Umfrage zur Akzeptanz der Windenergie an Land – Herbst 2025“ entnommen und wird im Anschluss an die Analyse zur vollständigen Nachvollziehbarkeit in seiner ursprünglichen Struktur und Abfolge wiedergegeben.

Frage 1


Im Rahmen der Energiewende in Deutschland wurde beschlossen, den Energiebedarf weitestgehend aus erneuerbaren Energien zu decken.
Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach daher die Nutzung und der Ausbau der Windenergie an Land?

Antwortmöglichkeiten:

sehr wichtig

eher wichtig

eher unwichtig

völlig unwichtig

weiß nicht / keine Angabe

 


Frage 2


Stehen Sie dem Ausbau von Windenergieanlagen an Land grundsätzlich eher positiv oder eher negativ gegenüber?

Antwortmöglichkeiten:

sehr positiv

eher positiv

eher negativ

sehr negativ

weiß nicht / keine Angabe

 


Frage 3


Gibt es in Ihrem direkten Wohnumfeld bereits Windenergieanlagen oder ist das nicht der Fall?

Antwortmöglichkeiten:

ja

nein

weiß nicht / keine Angabe

 


Frage 4


Wenn in Ihrem Wohnumfeld gemäß der aktuellen Genehmigungspraxis Windenergieanlagen gebaut werden sollten:
Hätten Sie dagegen sehr große, große, weniger große oder gar keine Bedenken?

Antwortmöglichkeiten:

sehr große Bedenken

große Bedenken

weniger große Bedenken

gar keine Bedenken

weiß nicht / keine Angabe

 


Frage 5


Sind Sie mit den Windenergieanlagen in Ihrem Wohnumfeld voll und ganz, eher, eher nicht oder überhaupt nicht einverstanden?

Antwortmöglichkeiten:

voll und ganz einverstanden

eher einverstanden

eher nicht einverstanden

überhaupt nicht einverstanden

weiß nicht / keine Angabe

 


Frage 6


Was glauben Sie: Wie viele von 10 Bürgern in Ihrer Gemeinde hätten gegen Windenergieanlagen vor Ort große Bedenken?

Antwort:
Angabe als Zahl von 0 bis 10

 


Frage 7


Was glauben Sie: Wie viele von 10 Bürgern in Ihrer Gemeinde sind mit den Windenergieanlagen eher nicht einverstanden?

Antwort:
Angabe als Zahl von 0 bis 10

 


Frage 8


Wenn in Ihrem Wohnumfeld gemäß der bestehenden Planungs- und Genehmigungsverfahren Windräder geplant würden:
Würden Sie dagegen demonstrieren oder vermutlich nicht?

Antwortmöglichkeiten:

ja, vermutlich demonstrieren

nein, vermutlich nicht

weiß nicht / keine Angabe

 


Frage 9


Würden Sie an einer Demonstration für die Energiewende teilnehmen, auch wenn dafür neue Windenergieanlagen in Ihrem Wohnumfeld gebaut werden?

Antwortmöglichkeiten:

ja

nein

weiß nicht / keine Angabe

 


Frage 10


Wie sehr stimmen Sie folgenden Aussagen zur Nutzung der Windenergie zu?

Aussagen:

Windenergie ist eine saubere Energiequelle

Windenergie ist eine sichere Technologie

Windenergie bringt wirtschaftlichen Fortschritt

Windenergie sichert unsere Zukunft

Windenergie schützt die Natur

 

Antwortskala:

stimme voll und ganz zu

stimme eher zu

stimme eher nicht zu

stimme überhaupt nicht zu

weiß nicht / keine Angabe

 


Frage 11


Wie sollte sich die Bundesregierung künftig für den Ausbau der Windenergie einsetzen?

Antwortmöglichkeiten:

deutlich stärker

eher stärker

eher schwächer

deutlich schwächer

weiß nicht / keine Angabe

 


Frage 12


Stimmen Sie folgenden Aussagen zur Energiewende zu?

Aussagen:

Der Ausbau der Stromnetze ist erforderlich

Es werden mehr Speicherkapazitäten benötigt

 

Antwortskala:

stimme voll und ganz zu

stimme eher zu

stimme eher nicht zu

stimme überhaupt nicht zu

weiß nicht / keine Angabe

 


Frage 13


Wo leben Sie bzw. wie würden Sie Ihr Wohnumfeld beschreiben?

Antwortmöglichkeiten:

Großstadt

kleinere Stadt

ländlicher Raum

weiß nicht / keine Angabe

 



© Jürgen Krewer - 2026 - Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung, Vervielfältigung oder Verbreitung – auch auszugsweise – ist nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Autors zulässig.