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Familiensonntagnachmittagsausflug – oder der tote Frosch

Familiensonntagnachmittagsausflug – oder der tote Frosch

Finn und Eliza-Dionne Meier-Germersheimer haben den Sonntag geplant. Ein Ausflug aufs Land, hinaus aus Dresden, mit den Kindern Nette und Bertram. Frische Luft, Wald, ein wenig Natur – so, wie man es sich vorstellt.

Schon auf der Fahrt über Land öffnet sich die Landschaft: sanfte Hügel, Felder in hellem Grün, einzelne Baumreihen, die sich wie Linien durch die Fläche ziehen. Über ihnen ein weiter Himmel, durchzogen von langsam ziehenden Wolken. Die Sonne steht noch nicht hoch und wirft lange Schatten über die Felder. Am Horizont drehen sich die Windräder.

„Schaut mal“, sagt Finn, „wie hübsch sie sich drehen.“ Nette drückt die Nase an die Scheibe, Bertram zeigt mit dem Finger nach oben. Große, ruhige Bewegungen, fast lautlos aus dieser Entfernung. Es wirkt geordnet, beinahe friedlich. Am Ziel angekommen empfängt sie der Wald mit kühler Luft. Es riecht nach feuchter Erde, nach Laub, nach Holz. Licht fällt gefiltert durch die Kronen und zeichnet helle Flecken auf den Boden. Der Weg beginnt fest, wird dann jedoch schnell weicher. Tiefe Spuren durchziehen den Boden, mit Wasser gefüllt vom Regen der vergangenen Nacht, in denen sich das Licht spiegelt, als wären es kleine, unruhige Teiche.

„Warum ist der Weg denn so kaputt, Papa?“, fragt Nette. Finn schaut kurz hinunter. „Ich weiß es nicht genau“, sagt er. „Vielleicht sind hier große Maschinen gefahren.“ Die Kinder treten vorsichtig an den Rand der Spuren, suchen festen Boden. Bertram rutscht aus, fängt sich, seine Schuhe versinken leicht im nassen Erdreich. „Hier kann man ja gar nicht richtig laufen“, sagt Nette. Der Weg ist etwas anderes geworden. Ein Rascheln im Unterholz, dann schießt plötzlich ein Reh über den Weg, leicht, schnell, erschrocken. „Upps, ein Reh!“, ruft Nette. Für einen Moment stehen alle still, dann ist es wieder verschwunden. Nur die Bewegung der Blätter bleibt zurück. Ach, wie abenteuerlich. Nur ein paar Schritte weiter bleibt Nette abrupt stehen. „Papa… da liegt ein Frosch.“ Am Rand einer der wassergefüllten Spuren liegt er, reglos. „Der ist tot.“ Bertram schaut hin, zögert einen Moment. „Ist der tot?“ Niemand sagt etwas.

Sie gehen weiter, vorbei an einem trüben Weiher. Die Wasseroberfläche liegt schwer zwischen den Bäumen, durchzogen von kleinen Kreisen und schillernden Ölflecken, die sich langsam verschieben. Die Luft steht, gedämpft. An der Wanderhütte angekommen, sehen sie einen Spielplatz aus gefällten Bäumen, grob gezimmert, aber funktional. Dahinter liegen große Stapel von Holz, sauber geschichtet, das helle Innere der Stämme frisch angeschnitten. „Lasst uns vor der Rast noch rüber gehen, danach gibt’s lecker Flutschies“, fordert Eliza-Dionne die Kinder auf. Noch ein paar Schritte weiter öffnet sich der Wald, das Licht wird greller, der Blick weiter. Zwischen den Schneisen stehen sie nun nah. Sehr nah.

Die riesigen lustigen Windräder.

„Papa, wo sind sie?“ Bertram sucht von der Sonne geblendet den Himmel ab nach Düsenjägern. Finn bleibt einen Moment stehen und schaut nach vorn und antwortet leise: „Als ich ein Kind war, war an dieser Stelle noch eine Wiese. Wir konnten da sogar Hirsche beobachten.“ Er zögert kurz, dann fügt er hinzu, an die Kinder gewandt: „Das sind diese großen Rehe mit Geweih.“